26.06.2004 - Sprengung Schottersilo Porphyrwerk Vatter

Acht Wochen Planung, 15 Kilogramm Dynamit, 63 Bohrlöcher - ein Knall: am Samstag ist das Schottersilo des Porphyrwerks Vatter von den Fachleuten der Thüringer Spreng GmbH zu Fall gebracht worden. In einer Viertelsekunde zerriss der Sprengstoff Eurodyn die hangwärts stehenden Beine des Betonkolosses. Eine hellbraune Wolke Staub sieg auf, das Gebäude kippte und fiel wie ein zur Strecke gebrachter Elefant donnernd zur Seite.
Es war 18.34 Uhr. "ein hundertprozentiger Abriss", sagte zufrieden der sympathische Plauener Sprengmeister Michael Schneider. "Nicht ein Steinchen ist auf die Gleise oder die Fahrbahn geflogen." Es war wichtig, dass das Bauwerk zum Berg hin fällt, gleichwohl gibt es "bei so was immer ein Risiko", erklärte Schneider, "kein Gebäude ist wie das andere." Doch alles klappte, es war eine saubere und hochprofessionelle Arbeit, die die Thüringer Fachleute da abgeliefert haben.
Sicherheitshalber waren zuvor der OEG -und Autoverkehr gestoppt worden, ein langer Stau hatte sich bis nach Schriesheim gebildet. Im Umkreis von 300 Meter um das Abriss-Objekt war das Gebiet abgesperrt. 30 Polizisten um Einsatzleiter Alfred Homma und zahlreiche Feuerwehrleute des Unterkreises Ladenburg sicherten das Gelände und unterstützten die Polizei bei der Kommunikation. Die Anwohner nahegelegener Häuser durften ihre Wohnungen nicht verlassen. Rund 200 Schaulustige drängten sich an den Absperrbändern, um die letzten Sekunden dieses Dossenheimer Wahrzeichens mitzuerleben, das mit seinen hohlen Augen in den vergangenen Jahren die Autofahrer auf ihren Reisen still gegrüßt hatte.
"Auf eine Art ist es natürlich schon schade" sagte Bürgermeister Hans Lorenz. "Der Bergbau hat in Dossenheim eine wichtige Rolle gespielt, hier haben früher rund 400 Menschen ihren Arbeitsplatz gehabt." Anfang des 20. Jahrhunderts war das Schotterwerk entstanden. Im Laufe der letzten Jahre aber verlor es zunehmend an Bedeutung und so war denn auch 2003 endgültig Schluss. Es gab keine Sprengungen mehr, die Seilbahnen für die Steine wurden abgebaut, das Schottersilo wurde nicht mehr gebraucht. An seiner statt soll nun ein Mischgebiet entstehen, ein entsprechender Bebauungsplan steht demnächst im Gemeinderat an. Doch nun lagen erst einmal noch die Trümmer des eben gerade gefällten Schotterturms am Boden. Zahlreiche Sprengungstouristen eilten heran und turnten leichtsinnig durch das Geröll oder warfen gedankenlos mit dem Schutt um sich - sehr zum Unmut der Fachkräfte, die so bei ihrer Arbeit behindert wurden. Wer noch konnte, sicherte sich einen Stein als Andenken, Sprengmeister Schneider durfte noch fix für`s Fotoalbum zweier Schaulustiger posieren. Dann fuhren schon die Bagger und Lkw heran, die dem "toten Ungetüm" zu Leibe rückten. In Portionen gehackt, wurde sein "Leib" vom Abbruchunternehmen Orth in die Bauschuttrecyclinganlage nach Eppelheim gefahren. Dort wird das Gebäude, das jahrzehntelang Schotter und Steine verarbeitete, selbst zu Schotter, um irgendwann mal irgendwo als Straßenbelag oder Steinchen zwischen OEG-Schienen ein neues Dasein zu beginnen.

(Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung)

 

       

       

       

       

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© Feuerwehr Dossenheim 2004

Eingesetzte Kräfte: ELW (5), MTW (9), LF16 (8), TLF16-1 (3)

FF Schriesheim, UKF, POL, RD

Dauer des Einsatzes: 1:35

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Zuletzt aktualisiert am 15.06.2007